Streaming-Playlisten als Marketing-Instrument

Dem NIKE+ Run Club sind bei Spotify bereits über 1 Millionen Hörer beigetreten. Auch rheinische Marken nutzen Playlisten als Content-Marketing-Format.

Von Thomas Bollwerk

Erst kürzlich hat Spotify das Format der „BRANDED PLAYLIST“ mit der „SPONSORED PLAYLIST“ ergänzt. Offensichtlich entdecken immer mehr Marken diese emotionale Möglichkeit des Content-Marketings. Auch andere Streaming-Dienste wie der französische Anbieter Deezer bieten Optionen, die über klassische Video- und Audio-Werbespots hinausgehen. Bei unserer Recherche fällt jedoch schnell auf, dass sich zwar einige Brands an der Aufgabenstellung versucht haben, die meisten jedoch ohne durchschlagenden Erfolg – wenn man die Anzahl der Follower betrachtet. Ob Hotelgruppen, Online-Portale oder F&B-Produkte. Nachhaltige Resonanz stellt sich (noch) nicht ein.

Dennoch: Allein die rasant wachsenden User-Zahlen der Streaming-Dienste sollten Grund genug sein, sich mit diesem Instrument zu befassen. Der Marktführer Spotify meldete Anfang August über 60 Millionen zahlende und 140 Millionen registrierte Kunden. Auch wenn ein Gewinn weiter auf sich warten lässt, hat Spotify in knapp sechs Monaten nach eigenen Angaben 10 Millionen zahlende Kunden gewonnen. Verfolger Apple weist derzeit 27 Millionen Nutzer aus, Deezer über 10 Millionen. Nachfolgend einige Beispiele:

Summerjam Festival (Spotify): Das Summerjam Festival am Fühlinger See in Köln lockte auch in diesem Jahr ca. 30.000 Besucher. Der begleitenden Playlist folgen über 4.500 Hörer.

Kölner Stadt-Anzeiger (Spotify): 773 Follower. Immerhin. Denn kommuniziert wird der Account und die Playlisten bislang sehr zurückhaltend. Angeboten werden u.a. die Karnevalshits 2017, die Songs der Kölner Lichter 2017 und eine Liste mit dem Namen: „Die besten 6.66 Lieder von Black Sabbath“. Man ergänzt bzw. verlinkt die Listen bei entsprechenden redaktionellen Texten. Marketingziele verfolgt das Kölner Medienhaus jedoch offenbar nicht. Ebenso wie:

RP Online (Spotify): Die digitalen Zeitungsmacher aus der Landeshauptsstadt listen „Die beliebtesten Karnevalslieder“ (fast ausschließlich solche, die aus der Metropole rheinaufwärts kommen) neben den „besten Songs von David Bowie“ auf.

FC Barcelona (Deezer): The Sound of Barca! Über 100 Songs, „that inspire the sparkling play of the likes of Messi, Suárez and Neymar Jr.“ (Zitat Pressemeldung Deezer). Hinzu kommen am Matchday Playlisten für den Weg zum Stadion.

Flixbus: Der Flixbus-Playlister ist eine Kooperation von Spotify und Flixbus. Wer seine Stimmung, sein Lieblingsgenre und Start/Ziel der Busfahrt eingibt, erhält eine kuratierte Liste, die man speichern und direkt über die Wifi-Option des Busses (auch mit dem kostenfreien Konto) hören kann.

Fazit: Offenbar begegnen Unternehmen und Marken dieser Möglichkeit noch mit Zurückhaltung – ebenso wie der Handel. Das bietet Chancen! Für Möbelhäuser (Songs zum Kochen oder Einschlafen, Kinderzimmerlieder…), für Brauerei (Party- und Event-Playlisten), für Agenturen u.v.a.m.